Frauenakademie Hildburghausen e.V.
    

„Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ -
Titel der 21. bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung

„Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ heißt der Titel der 21. bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung, die in diesem Jahr vom 25. bis 29. Mai 2020 stattfindet.

21% aller Kinder in Deutschland leben in dauerhaften oder wiederkehrenden Armutslagen (Schuldner Atlas 2019). Besonders gefährdet sind hierbei Kinder von Alleinerziehenden, Eltern mit mehreren Kinder sowie Kinder erwerbsloser Eltern. Familienarmut ist damit oft auch Kinderarmut. Kinder haben das Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend sowie gute Startbedingungen für ihre Zukunft.

Forschungen belegen, dass Kinderarmut nicht nur die Wohnsituation beeinträchtigt, sondern vor allem Bildungs-und soziokulturelle Teilhabemöglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Nicht selten erfahren Kinder schon in sehr jungen Jahren soziale Ausgrenzung oder aber Missachtung von Gleichaltrigen oder älteren Kindern. Immer häufiger fallen auch Kinder und Jugendliche aus überschuldeten Haushalten „Mobbing“, gerade auch im Bereich der Schule zum Opfer.

Auch im Landkreis Hildburghausen gibt es eine Vielzahl von betroffenen Kindern. Für die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Frauenakademie als zuständige Schuldnerberatung im Landkreis lässt sich für das Jahr 2019 eine Fallzahl von 343 laufenden Beratungsfällen dokumentieren, wobei hier 301 Kinder betroffen sind. Kurz- oder Einmalberatungen sowie überschuldete Menschen, welche keine Beratung in Anspruch nehmen sind hier nicht berücksichtigt.

Gerade Familien mit oftmals unvorhersehbaren und gravierenden Veränderungen der Lebensumstände bspw. durch Trennung oder Arbeitsplatzverlust verlieren die unmittelbare Kontrolle über ihre finanzielle Situation und geraten so in die Schuldenfalle. Ziel der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände sowie einer jeden Schuldnerberatung direkt ist es, die finanzielle und persönliche Lebenssituation von überschuldeten Menschen nachhaltig zu verbessern, um eine angemessene gesellschaftliche Teilhabe sicherzustellen und somit auch den jüngsten der Gesellschaft die Chance zu geben.

Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände hat in diesem Zusammenhang ein Forderungspapier erarbeitet. Gefordert wird:

 

Grundlegende finanzielle Absicherung von Kindern

 Wenn auch das Starke-Familien-Gesetz ein Anfang ist, fehlt es an einer konsistenten Gesamtstrategie. Finanzielle Hilfen und Regelungen müssen transparent, nachvollziehbar und öffentlich bekannt sein. Der Regelsatz für Kinder muss sich, wie vom Bundesverfassungsgericht in 2010 gefordert, nach den kindlichen Entwicklungsphasen und dem, was für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes erforderlich ist, richten. Auch sollte eine explizite Förderung von familienspezifischen Bedarfen zur sozialen Teilhabe erfolgen.

 

 

Gleichklang von Sozialrecht und Zwangsvollstreckungsrecht

Patchwork-Familien benötigen Zwangsvollstreckungsrechtlich den gleichen Schutz wie Kern-Familien, da sie sich faktisch in ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen nicht unterscheiden. Die Partnerkindereinstandspflicht im SGB II ist abzuschaffen. Bis dahin sind die Verpflichtung zum faktischen Unterhalt aufgrund der sozialrechtlichen Einstandspflicht und der gesetzlich geschuldete Unterhalt vollstreckungsrechtlich gleichzusetzen.

Finanzielle Allgemeinbildung von klein auf

In einer auf Konsum ausgerichteten Welt muss der Umgang mit Geld, Handy und Internet gelernt werden. Kinder und Jugendliche brauchen dafür die erforderliche Medien- und Finanzkompetenz. Geeignete Angebote zum Erwerb von Finanzkompetenz sind hier erforderlich, die unabhängig von Anbietern und objektiv das nötige Wissen vermitteln.

 

 

Recht auf Schuldnerberatung für alle

Soziale Schuldnerberatung nimmt neben den finanziell-materiellen Aspekten von Überschuldung eine ganzheitliche Perspektive auf die Lebenslage Überschuldung ein. In der Beratung wird oft deutlich, dass auch Kinder negativ von der Überschuldungssituation betroffen sind. Um Kinder von Schuldner*innen gezielt unterstützen zu können und um zu vermeiden, dass diese unter der Überschuldung ihrer Eltern leiden, braucht es einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle Hilfesuchenden im SGB XII.

 

 

Schuldenfrei in die Volljährigkeit

Schuldenfreiheit soll nicht erst mit Eintritt in die Volljährigkeit -unter Berufung auf §1629a BGB- erreicht werden, sondern eine Verschuldung im Sozialrecht durch Rückforderungsbescheide gegen Minderjährige gar nicht erst möglich sein.

Kinder haben das Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend sowie auf gute Startbedingungen für ihre Zukunft. Aus diesem Grund unterstützt auch die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Frauenakademie e.V. dieses Forderungspapier.